Eine radikal neue Theorie über das Wettergeschehen!

Marcel Leroux (1938-2008), ein französischer Meteorologe und Klimaforscher entwickelte in den 1980er und 1990er Jahren eine radikal neue Theorie der atmosphärischen Zirkulation und des Wetters.

Danach spielen Bewegliche Polarhochs (Mobile Polar Highs, MPHs), welche sich an Nord- und Südpol von der dort reichlich vorhandenen Kaltluft ablösen, die entscheidende Rolle im Wettergeschehen. Die aus polarer Kaltluft bestehenden, linsenförmigen MPHs bewegen sich unter dem Einfluss der durch die Eigenrotation der Erde verursachten Corioliskraft ostwärts mit einer meridionalen Komponente und gelangen so über die mittleren Breiten oft bis in die Tropen. An den Rändern der MPHs, wo deren kalte und dichte Luftmassen auf wärmere und weniger dichte, sich polwärts bewegende Luftmassen treffen, entwickeln sich dynamische Tiefdruckwirbel.

Mobile Polar High Quelle: Leroux 1993  

Die in der vorherrschenden meteorologischen Theorie wetterbestimmenden dynamischen Tiefs (und ebenso die Jetstreams) sind nach Leroux also nur sekundäre Phänomene!

Die Bewegung der MPHs wird ganz wesentlich von der Geographie bestimmt. Höhere Berge sind für sie unüberwindliche Hindernisse und müssen „umfahren“ werden. Manchmal kommt es dabei zu regelrechten Staus. Passiert das im Sommer, so bewirkt die starke Sonneneinstrahlung im Einflussbereich der wolkenarmen MPHs einen erheblichen Temperaturanstieg. Die Hitze hält solange an bis das MPH weiterwandert oder zerfällt.

MPHs verschmelzen immer wieder auch zu größeren Hochdruckgebilden. Ein bekanntes Beispiel ist das zum subtropischen Hochdruckgürtel gehörende Azorenhoch.

Auf dem Bild des europäischen Wettersatelliten MeteoSat vom 24. August 2012 sind zwei Mobile Polar Highs (MPHs) als Kaltluftlinsen gut zu erkennen, das eine im Nordatlantik, das andere im Südatlantik. Die Kaltluft verrät sich durch die zelluläre Bewölkung: Wenn kalte  Luft über eine relativ wärmere Wasseroberfläche strömt, bilden sich infolge der instabilen Luftschichtung Konvektionszellen und darin Quellwolken. Die vorherrschende Lehrmeinung kennt keine Mobile Polar Highs im Sinne von Leroux, sondern nur polare Kaltkuftmassen, welche der Kaltfront eines dynamischen Tiefs nachfolgen. Quelle: EUMETSAT 

Leroux unterscheidet zwei gegensätzliche Zirkulationsmuster, die für Kalt- und Warmzeiten verantwortlich sind: 

1) In Kaltzeiten entwickeln sich zahlreiche und dynamische MPHs. Die Zirkulation ist eher meridional. Die bis in die Tropen vorstossenden MPHs drängen die Innertropische Konvergenzzone zurück; im Sommer der Nordhalbkugel nach Süden, im Sommer der Südhalbkugel nach Norden. Im Falle der Nordhalbkugel fällt dann zum Beispiel der Sommermonsun in Afrika schwächer aus, die Erklärung für die immer wieder auftretende Dürre in der  Sahelzone. An den Randzonen der kälteren MPHs intensiviert sich die Bildung dynamischer Tiefdruckwirbel als Folge der erhöhten Temperaturkontraste. 

2) In Warmzeiten bilden sich dagegen deutlich weniger und „müdere“ MPHs. Sie zerfallen meist schon bevor sie die Tropen erreichen und wirken kaum mehr auf die Innertropische Konvergenzzone. Die Zirkulation ist insgesamt eher zonal. Die Temperaturkontraste in den Randzonen der weniger kalten MPHs sind geringer, so daß weniger und wenn dann schwächere Tiefdruckwirbel entstehen.

Bei den meisten Meteorologen werden die Theorien von Leroux wohl bis auf Weiteres auf Ablehnung stoßen, stellen sie doch wesentliche Teile von dem in Frage, was an den Universitäten gelehrt wird und damit auch die theoretischen Grundlagen der heutigen Wettervorhersagemodelle. 

Aber darum allein müssen die Theorien von Leroux ja noch nicht falsch sein! Sie decken sich ja in bestechender Weise mit dem was man auf den Bildern der Wettersatelliten tatsächlich sieht. 

Jens Christian Heuer 

Quelle: Marcel Leroux: The Mobile Polar High: a new concept explaining present mechanisms of meridional air-mass and energy exchanges and global propagation of palaeoclimatic changes, Global and Planetary Change, 7 (1993)

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